Tröstende Worte fand Arek Blacha, Trainer des Handball-Drittligisten OHV Aurich, am Samstagabend für seinen Trainerkollegen Andrzej Staszewski: „Ich weiß, wie das ist, wenn einem nicht so viele Spieler zur Verfügung stehen. Das ist nicht einfach für einen Trainer.“ Soeben war Blachas Mannschaft gegen die SG VTB/Altjührden vor 800 Zuschauern in der Manfred-Schmidt Sporthalle in Altjührden ein fulminanter 29:21-Auswärtssieg und eine erfolgreiche Revanche für die bittere 24:28 Hinspielniederlage gelungen. Die Vorzeichen vor dem Derby waren für die Gastgeber alles andere als gut. Varels Torjäger Oliver Staszewski merkte man deutlich an, dass er die ganze Woche und bis wenige Stunden vor Spielbeginn noch das Bett wegen eines Magen-Darm-Virus hatte hüten müssen. Auch Etrit Khafolli war nach seinem Bänderriss noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. In Routinier und Ex-Zweitliga-Spieler Jochen Toepler, der kurzfristig einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben hatte, konnte die SG zwar einen neuen Spieler aufbieten, doch fehlte dem Linkshänder natürlich noch die Bindung zum Spiel der Vareler. Blacha hingegen stand fast sein kompletter und zahlmäßig weit überlegener Kader zur Verfügung.

Wendlandt in Bestform

Schon von Beginn an wurde deutlich, wie die Auricher die Derbyniederlage im Hinspiel wieder ausbügeln wollten – mit Tempospiel. Allen voran lief Aurichs Kevin Wendlandt mit drei Treffern binnen der ersten vier Minuten zur Höchstform auf. Der OHV-Goalgetter glänzte nicht nur mit insgesamt acht Toren, sondern überzeugte auch durch brillante Anspiele an den Kreis oder auf die Außenpositionen. Um nicht völlig überrannt zu werden, musste Staszewski bereits in der 5. Minute beim Spielstand von 1:5 die erste Auszeit nehmen. Dem Auricher Express Handball konnten die Vareler nur ihren unbändigen Kampfeswillen entgegen setzen. Schwer machten es die SG Spieler sich selbst und dem eigenen Anhang dabei mit einigen unnötigen technischen Fehlern. Anstatt das eigene Spiel zu beruhigen, versuchte man, das Tempo der Auricher mitzugehen. Varels Keeper Björn Bröckerhoff, im Hinspiel noch der Matchwinner, konnte zudem nicht an die fantastische Leistung des Vorjahres anknüpfen. Nach 17 Minuten wurde Levin Stasch ins SG-Tor beordert.Bis zum 9:13 (23.) konnte Varel die Partie noch einigermaßen offen gestalten, doch in den Schlussminuten der ersten Hälfte zogen die Auricher bis zum Pausenpfiff noch vorentscheidend auf 17:11 davon. Großen Anteil an diesem Vorsprung hatte die bärenstarke OHV-Abwehr um einen überragenden Keeper Frederick Lüpke.

Hoffnung nach Rot
Nach dem Wiederanpfiff kam dann allerdings so richtig Stimmung beim Vareler Anhang auf. Das lag daran, dass zum einen Aurichs Abwehrrecke Jannes Hertlein nach seiner dritten Zeitstrafe vorzeitig mit Rot unter die Dusche musste (36.), zum anderen Stasch nun seinen Kasten förmlich zunagelte. Nach dem 12:17-Anschlusstreffer von Marek Mikeci lief Varels Keeper zur Höchstform auf. Zuerst parierte er einen Wendlandt-Wurf, anschließend hielt er einen Siebenmeter von Josip  Crnic und entschärfte zwei Würfe des Ex Varelers Torben Lemke. Nach Toren von Oliver Staszewski und Martins Libergs kamen die Gastgeber wieder auf 14:17 heran (39.).

Unnötige Zeitstrafen
Den Lohn ihrer Bemühungen machten sich die Vareler aber selbst wieder zunichte, als sich zunächst Libergs (39.) und dann auch noch Kevin Langer (40.) eine unnötige Zeitstrafe einhandelten. Aurich bedankte sich und zog mit fünf Treffern in Folge uneinholbar auf 22:14 davon. Zur großen Verwunderung vieler Zuschauer setzte SG Trainer Staszewski sechs Minuten vor dem Abpfiff auf volles Risiko, nahm bei eigenem Angriff Stasch aus demT or und brachte einen siebten Feldspieler – mit Folgen. Niklas Bachmann, zweimal Karlo Oroz und Wendlandt trafen ins leere Vareler Tor. Die Tore von Mikeci zum 2 0:29 und Oliver Staszewski zum 2 1:29 bedeuteten nur noch Ergebniskosmetik. Fazit: Der Sieg der Auricher geht auch in der Höhe in Ordnung.Der OHV war an diesem Tag der SG VTB/Altjührden einfach in allen Belangen überlegen. Die rechte Angriffsseite der Vareler brachte diesmal nur wenig zustande. So blieb Mikeci trotzs einer sieben Treffer weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Anspiele an den Kreis waren Mangelware. Zudem wurden beide zugesprochenen Siebenmeter von Mikeci und Libergs verworfen.

Quelle NWZ: Friedhelm Müller-Düring. www.nwzonline.de/friesland/lokalsport