Dank eines couragierten Auftritts vor 3000 Zuschauern hatten die Vareler zur Pause sogar geführt. Nun hoffen sie über den Umweg Relegation auf den Ligaverbleib.

Vor der beeindruckenden Kulisse von 3000 stehend applaudierenden Zuschauern gingen die Köpfe der Drittliga-Handballer der SG VTB/Altjührden unmittelbar nach dem Schlusspfiff und der 28:33 (13:12)-Niederlage beim seit 51 Heimspielen ungeschlagenen HSV Hamburg nach unten. Schließlich war allen nach dem ausgebliebenen Wunder an der Elbe klar, dass der von kühnen Optimisten vor dem letzten Spieltag der regulären Saison noch erhoffte direkte Klassenerhalt damit verpasst wurde. Diesen hatte der SC Magdeburg II, der zeitgleich zudem mit 37:29 gegen DHK Flensborg gewann, ihnen noch vor der Nase weggeschnappt.

Doch nach einer kurzen Phase der Enttäuschung waren Kapitän Helge Janßen und Oliver Staszewski im mindestens zweitligareifen „Wohnzimmer“ des HSV die Ersten, die den erschöpften Vareler Mini-Kader samt Trainer- und Betreuerstab Schulter an Schulter zu einem Kreis in der Mitte der Alsterdorfer Sporthalle versammelten. Dort schwor sich das SG-Team auf die nun folgende Abstiegsrelegation ein, in der es am 13./14. Mai noch den Absturz in die Oberliga verhindern möchte (siehe Infobox).

„Hut ab vor der Mannschaft, wie sie sich vor dieser tollen Kulisse verkauft hat“, betonte Helge Janßen später, nachdem sich die Vareler Spieler für ihren beherzten Einsatz den verdienten Applaus von rund 100 mitgereisten SG-Fans abgeholt hatten: „Wenn wir so in den beiden Relegationsspielen auftreten, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir es packen und in der Liga bleiben. Der Rückhalt unser Fans hier war Gold wert. Ich hoffe, dass wir sie auch für die Relegationsspiele mobilisieren können.“

Vor dem Seitenwechsel hatten die Vareler über Zwischenstände von 6:4 (10. Minute), 9:9 (20.), 9:11 (23.) und 13:12 (30.) aus SG-Sicht sogar an einer faustdicken Überraschung geschnuppert. Die Gäste spielten die Angriffe meist lange und am Rande des Zeitspiels bis zu guten Wurfchancen aus und stellten damit die Hamburger immer wieder vor eine Geduldsprobe. Zudem stand die Abwehr um Helge Janßen und Martins Libergs sehr kompakt und blockte diverse Fernwürfe der spürbar verunsicherten HSV-Youngster, die sich zudem mehrmals an Torwart Levin Stasch die Zähne ausbissen.

Nach dem Seitenwechsel offenbarten sich jedoch in der Vareler Abwehr deutlich mehr Lücken, zumal die Hamburger nun mächtig aufs Tempo drückten. So zogen sie über 15:14 (33.), 20:15 (42.), 23:16 (45.) vorentscheidend auf 29:20 (52.) davon. Dennoch ließen sich die Gäste, bei denen der A-Jugendliche Joke Brüning sein erstes Drittliga-Tor erzielte, nie hängen und verkürzten noch mal. Beste Vareler Torschützen waren Marek Mikeci (9/5), Libergs (6) und Staszewski (5).

„Wir nehmen das Positive aus diesem Spiel mit nach Hause“, bilanzierte SG-Coach Andrzej Staszewski: „Wir wollen natürlich in der Liga bleiben, werden in der Relegation jetzt noch mal alles geben und versuchen, um den Handball in Varel am Leben zu halten.“

Sein Gegenüber auf HSV-Seite, Trainer und Handball-Weltmeister von 2007 Torsten Jansen erklärte: „Für Altjührden ging es natürlich noch um alles, sie wollten den direkten Klassenerhalt und haben uns alles abverlangt. Aber wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen und unseren Fans somit einen versöhnlichen Saisonabschluss bereiten.“

Letzteres haben die Vareler nun am kommenden Wochenende in der Abstiegsrelegation vor. Bis dahin gilt es unter der Woche, noch einmal alle Kräfte zu bündeln.

Relegation folgt

Nach dem ausgebliebenen Wunder am letzten Spieltag der regulären Saison müssen die Drittliga-Handballer der SG VTB/Altjührden im Abstiegskampf nachsitzen. Stand Sonntag bleibt mindestens ein Platz in der Dritten Liga frei und ist somit noch zu vergeben. Grund: In der Oberliga Ostsee-Spree hat neben Spitzenreiter LHC Cottbus auch der mögliche Nachrücker Stralsunder HV aus wirtschaftlichen Gründen auf den Aufstieg verzichtet.

In der Abstiegsrelegation treffen die Vareler als Vertreter der Nord-Staffel am kommenden Wochenende (13./14. Mai) auf die Tabellen-14. der anderen drei Drittliga-Staffeln. Seitens des DHB wurde festgelegt, dass das Relegationsturnier beim Vertreter der West-Staffel ausgetragen wird, also beim TuS Volmetal (Hagen).

Los geht es am Sonnabend, 13. Mai, um 15 Uhr mit der Partie des Ost-Vertreters (SG LVB Leipzig) gegen das Süd-Team (SG Pforzheim/Eutingen). Im Anschluss misst sich ab 17.30 Uhr Volmetal (West) mit der SG VTB/Altjührden (Nord). Tags darauf ermitteln die beiden Gewinner ab 10 Uhr den Relegationssieger. Zudem wird ab 12.30 Uhr vorsorglich der dritte Platz zwischen den beiden Verlierern des ersten Tages ausgespielt – für den Fall eventueller Nachrücker (bedingt etwa durch den Rückzug von Drittligisten).

Quelle NWZ: Henning Busch: www.nwzonline.de/friesland/lokalsport