HANDBALL Kampfstarke Vareler Rumpftruppe unterliegt Bernburg mit 25:28 – Hartwich sieht Rot

Die angeschlagenen Jan Derk Janßen und Björn Bröckerhoff stellten sich in den Dienst der Mannschaft. In der Schlussphase stand die Partie auf Messers Schneide.

VAREL –Ein weiteres Malrichtig teuer verkauft hat sich die Rumpftruppe der SG VTB/Altjührden. Angetreten mit nur acht Feldspielern, konnte der Handball-Drittligist am Sonnabend die Partie beim SV Anhalt Bernburg trotzeines verschlafenen Beginns und einer enorm aufgeheizten Stimmung in der Bruno-Hinz Halle bis zur 58. Minute völlig offen gestalten. Am Ende standen sie jedoch beim 25:28 (9:12) erneut mitleeren Händen da. Durch die fünfte Niederlage in Folge und das zeitgleiche Remis im Kellerduell zwischen Grün-Weiß Werder und MTV Braunschweig (25:25) ist der Vorsprung der Friesen vor der Abstiegszone auf nur noch drei Punkte geschrumpft. „Dennoch ziehe ich den Hut vor meiner Truppe, die wieder alles reingeworfen hat“, bilanzierte SG-Trainer Andrzej  Staszewski, der auf die Brüder Tom (Atemprobleme) und Max Wiedenmann (Zehenbruch) verzichten musste. Weil die Bernburger unter der Woche den Wunsch der personell stark dezimierten Vareler nach einer kurzfristigen Spielverlegung abgelehnt hatten, stellten sich auf SG-Seite die angeschlagenen Jan Derk Janßen (Magen-Darm Grippe) und Björn Bröckerhoff (Herz-Rhythmus-Störungen) in den Dienst der Mannschaft.

Riesige Hilfe

„Die beiden wollten die verbliebenen Jungs unbedingt unterstützen und waren eine riesige Hilfe“, sagte Staszewski. Auch Abwehrchef Helge Janßen (Achillessehnenreizung) saß für den absoluten Notfall auf der Bank, wurde allerdings mit Blick auf die ganz wichtigen Duelle um den Klassenerhalt Anfang des neuen Jahres letztlich geschont. Die Bernburger wirkten zu Beginn der Partie deutlich wacher als die Gäste, die wohl auch die 360 Kilometer lange Anfahrt nach Sachsen-Anhalt noch zu verdauen  hatten. Flugs waren die Vareler, die vor der Pause phasenweise zu schnell den Abschluss suchten und mit Tempogegenstößen bestraft wurden, mit 1 :6 (10.) in Rückstand geraten, ehe sie auf 4:6 verkürzten (12.). Doch wiederum zogen die Bernburger, bei denen Rückraumspieler Gabor Pulay (8/3) und Kreisläufer Lucas Marschall ( 7) am häufigsten trafen, davon – diesmal sogar auf sechs Treffer (12:6/26.). Immerhin konnten die Friesen den Rückstand zur Pause auf drei Treffer minimieren. Das lag auch daran, dass Bröckerhoff für den diesmal glücklosen Levin Stasch zwischen die Pfosten rückte und mit insgesamt elf Paraden fortan ein starker Rückhalt hinter einer von Martins Libergs gut gesteuerten und kompaktagierenden 5:1-Abwehr war. Auch der noch grippegeschwächte Jan Derk Janßen bekam nun immer wieder Spielanteile und setzte im Angriff ebenso gute Akzente wie Kevin Straten (beide 3). Für die mit Abstand größte Gefahr aus dem Vareler Rückraum sorgte derweil der agile Oliver Staszewski (9/1). Nach dem Seitenwechsel verkürzten die Vareler gar auf 13:14 (36.), ehe sich die Bernburger wieder auf zwei, drei Treffer absetzen konnten. Doch die Gäste ließen sich trotz der dünnen Personaldecke und nachlassender Kräfte nie richtig abhängen. So wurde die Partie in der Schlussphase wieder deutlich enger und noch hektischer. Das lag zum Großteil auch an der „ziemlich aggressiven, aufgeheizten und unfairen Stimmung in der Halle“ (Staszewski), die die lautstarken Zuschauer verbreiteten. So seien neben den Schiedsrichtern auch SG-Spieler„ übel beleidigt“ worden.

Am Ende Rudelbildung

Trotz aller Widrigkeiten kämpften sich die Gäste bis zur 58. Minute auf einen Treffer heran – 24:25 (58.). Doch spätestens als Fabian Hartwich beim Stand von 24:27 nach einem„ vom Gegenspieler provozierten Foul“ (Staszewski) die Rote Karte gesehen hatte (59.), war die Hoffnung auf einen Punktgewinn dahin. In den Schlusssekunden kam es nach einem Foul von Libergs noch zu einer unübersichtlichen Rudelbildung, an der sich neben den aufs Feld gestürmten SV -A Bankspielern sogar einige Ordner beteiligten. Staszewski: „Ich bin froh, dass wir dieses hitzige Auswärtsspiel hinter uns haben, auch wenn angesichts der unsportlichen Atmosphäre dort natürliche in fader Beigeschmack bleibt, und wir leider mit leeren Händen zurückkehren mussten.“

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport