Altjührden

Den aktuell außergewöhnlichsten Drittligisten aller vier Staffeln haben die Handballer der SG VTB/Altjührden an diesem Sonnabend im letzten Spiel des Jahres zu Gast. Schließlich empfangen die in der Nordstaffel tief im Abstiegskampf steckenden Hausherren um 19.30 Uhr den nach einem kompletten Neuaufbau wieder ambitionierten Ex-Bundesligisten und Champions-League-Sieger von 2013 HSV Hamburg in der Manfred-Schmidt-Sporthalle.

„Einen solchen Gegner wie den HSV hat man nicht alle Tage in der Halle“, betont Varels Coach Andrzej Staszewski. Er hofft daher auf eine gut gefüllte Halle und lautstarke Unterstützung für sein Team, das sich dabei nicht nur mit jungen Hamburger Hoffnungsträgern auseinandersetzen muss, sondern es eventuell auch mit den verbliebenen namhaften Akteuren aus glorreichen HSV-Zeiten zu tun bekommen könnte.

Auch wenn die Gäste von der Elbe mit 22:6 Punkten aktuell nur die dritte Kraft hinter Spitzenreiter HSG Nord HU (24:2) und TSV Altenholz (24:4) darstellen, genießen sie die größte öffentliche Wahrnehmung. Nach dem Ende 2015 gestellten Insolvenzantrag und Rückzug der einst so erfolgreichen ersten Mannschaft aus der Bundesliga, dessen jahrelanges Aushängeschild in Torwart Jogi Bitter (nun TVB Stuttgart) ein ehemaliger Vareler Zweitliga-Spieler war, erfolgte vor der Saison der Neustart in der dritthöchsten Spielklasse.

Dies war möglich, weil die U 23 der Hamburger in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein Meister geworden war. Der Handball-Euphorie an der Elbe hat der Umbruch kaum einen Abbruch getan – davon zeugt nicht zuletzt ein bemerkenswerter Zuschauerschnitt von 2600; ein Wert, mit dem so mancher Erstligist nicht mithalten kann.

Nach der Partie in Altjührden werden die Hamburger im Heimspiel gegen den DHK Flensborg einen Zuschauer-Weltrekord für ein Drittliga-Handballspiel aufstellen. Schließlich wurden für das Weihnachtsspiel am 26. Dezember in der Barclaycard-Arena bereits mehr als 5500 Karten verkauft.

Allein drei Fanclubs unterstützen den HSV, rund 80 Schlachtenbummler könnten am Samstagabend den Weg nach Altjührden finden. Auch wenn sich die Mannschaft von Trainer Jens Häusler weitestgehend aus sehr jungen Spielern zusammensetzt, gehören noch illustre Namen zum Hamburger Tross. Ex-Bundesliga- und Nationalspieler Stefan Schröder greift regelmäßig auf Rechtsaußen zum Ball. Selbst Torsten „Toto“ Jansen, wie Jogi Bitter Weltmeister von 2007 sowie aktuell Co- und A-Jugend-Trainer des HSV, half in dieser Spielzeit schon auf dem Parkett aus.

Als Vizepräsident treibt zudem Ex-Bundesliga-Trainer Martin Schwalb den Wiederaufbau voran. „Sicherlich wollen wir so weit wie möglich nach oben kommen. Aber das braucht Zeit – und die werden wir uns nehmen“, erklärte der ehemalige Nationalspieler jüngst.

Auf dem Spielfeld glänzen insbesondere die beiden Zugänge Lukas Ossenkopp (HF Springe) und Jan Torben Ehlers (SG Flensburg-Handewitt) im Rückraum als Vollstrecker. In Dominik Plaue haben die Hanseaten zudem einen starken Schlussmann zwischen den Pfosten.

Während die Hamburger weiter fleißig punkten müssen, um im Titelkampf den Anschluss an das Spitzenduo nicht zu verlieren, benötigen die ersatzgeschwächten Vareler im Kampf um den Klassenerhalt dringend Zählbares. Das Team von Trainer Andrzej Staszewski geht personell seit Wochen auf dem Zahnfleisch und hat aus den vergangenen acht Begegnungen nur einen einzigen Punkt geholt (26:26 bei Flensburg-Handewitt II).

„Was uns zurzeit wirklich ausbremst, sind die fehlenden Alternativen auf der Bank“, klagt Staszewski. So waren die Vareler zuletzt in Fredenbeck (23:29) über weite Strecken das bestimmende Team, um am Ende doch wieder mit leeren Händen dazustehen. „Der Kopf wollte, aber die Jungs hatten alles gegeben, und die Beine wollten zum Schluss nicht mehr, weil ich den Spielern keine Verschnaufpausen gönnen konnte.“

Nun kehrt gegen den HSV immerhin Kreisläufer Fabian Hartwich nach überstandener Grippe ins Team zurück, so dass „nur“ noch Abwehrchef Helge Janßen und Tom Wiedenmann fehlen. „Wir müssen versuchen, gegen einen ganz starken Gegner, der fast immer über 30 Tore pro Spiel erzielt, mit den Kräften hauszuhalten“, erläutert Staszewski und hofft auf ein letztes Aufbäumen vor der dreiwöchigen Winterpause. In dieser sollen die Akkus wieder etwas aufgeladen werden, bevor die alles entscheidende Phase im Abstiegskampf beginnt.

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport