Nichts für schwache Nerven und Bluthochdruck-Patienten war am Samstagabend der drittletzte Akt im Abstiegskampf der SG VTB/Altjührden. Die Friesen benötigten unbedingt einen Heimsieg gegen die SG Flensburg-Handewitt II, um im Fernduell mit dem SC Magdeburg II um den direkten Ligaverbleib nicht auf den Abstiegsrelegationsplatz 14 abzurutschen. Und das Team von Trainer Andrzej Staszewski lieferte:

Dank eines kämpferisch beherzten Auftritts, der unübersehbare spielerische Mängel des nur mit neun Feldspielern (darunter der A-Jugendliche Joke Brüning) angetretenen Mini-Kaders wettmachte, rangen die Vareler die Flensburger Bundesliga-Reserve vor 578 Zuschauern mit 24:23 (10:11) nieder. Damit halten sie den direkten Klassenerhalt zwei Spieltage vor dem Saisonende weiter in eigenen Händen.

Nachdem Björn Bröckerhoff in der Schlusssekunde per Fußabwehr den letzten Distanzwurf der Gäste pariert hatte, gab es in der Manfred-Schmidt-Sporthalle kein Halten mehr. In den umkämpften 60 Spielminuten zuvor waren allen voran der treffsichere Marek Mikeci (9/2) sowie der vorn und hinten unermüdlich rackernde Kapitän Helge Janßen (5) die Garanten für den alternativlosen Heimsieg.

Bis es soweit war, hatten die Vareler gegen die ungewöhnliche Angriffstaktik der Flensburger echte Schwerstarbeit zu verrichten. Wie erwartet, agierten die Gäste von der Förde in Ballbesitz durchgehend mit einem siebten Feldspieler für ihren dann aus dem Tor geholten Schlussmann. Weil die Vareler gegen die dadurch oft mit drei Kreisläufern agierenden Schleswig-Holsteiner konsequent auf eine defensive, eng am Sechs-Meter-Kreis postierte 6:0-Abwehr setzten, entwickelte sich ein wahres Geduldspiel – auch für die Vareler Fans.

Grund: Die Flensburger passten sich den Ball teils auf sieben, acht Metern vor dem Vareler Tor unzählige Male und immer wieder am Rande des Zeitspiels zu, um Lücken auf den Außenpositionen oder am Kreis zu reißen. Sprungwürfe aus dem Rückraum waren eine Rarität.

Das Risiko, sich nach Fehlwürfen oder Ballverlusten Wurfversuche der Vareler über das ganze Spielfeld ins verwaiste eigene Tor einzufangen, nahmen die Förde-Handballer billigend in Kauf. Auch weil im Spielverlauf gleich drei dieser Vareler Fernwürfe über Flensburger Abwehrspieler hinweg das leere gegnerische Gehäuse zum Entsetzen der Zuschauer verfehlten, blieb es in der stark umkämpften Partie bis zum Schluss spannend.

Das es auch anders geht, bewies in der 17. Minute der zunächst zwischen den Vareler Pfosten stehende Levin Stasch, der aus dem eigenen Wurfkreis heraus das 7:5 markierte. Zuvor hatte der bestens aufgelegte Mikeci vier der ersten fünf Vareler Treffer erzielt. Allerdings fingen sich die Hausherren nach dem 10:8 (27.) in Unterzahl noch drei Gegentreffer und lagen zur Pause mit 10:11 in Rückstand.

Direkt nach Wiederbeginn brachte Mikeci die Friesen mit einem gekonnten Heber vom Siebenmeterstrich wieder mit 12:11 in Front (34.). Flensburg konterte mit der 14:13-Führung (36.), doch auch dank zweier Doppelpacks von Helge Janßen und Youngster Etrit Xhafolli schienen die Hausherren beim 20:16-Zwischenstand (48.) auf die Siegerstraße einzubiegen.

Aber weit gefehlt: Nachdem Routinier Jochen Toepler tief aus der eigenen Hälfte heraus am leeren Flensburger Tor vorbeigezielt und Abwehrchef Janßen eine Zwei-Minuten-Strafe kassiert hatte, glichen die Schleswig-Holsteiner zum 21:21 (57.) aus. Der Nervenkrimi steuerte dem Höhepunkt zu, zumal das Schiedsrichtergespann gleich drei vermeintlichen Vareler Treffern wegen früher Pfiffe nach Abwehraktionen der Gäste die Anerkennung versagt hatte.

Dennoch brachten Martins Libergs und Mikeci die gastgebende SG anderthalb Minuten vor dem Abpfiff wieder mit 23:21 in Front, was endgültig alle Vareler Fans von den Sitzen riss. Doch schienen sich die Flensburger an das Hinspiel gegen Varel zu erinnern, als sie in letzter Sekunde mit einem umstrittenen Treffer noch das 26:26-Remis perfekt gemacht hatten, und gaben sich noch immer nicht geschlagen.

Den Anschlusstreffer zum 23:22 beantwortete Varels Oliver Staszewski per Heber aus kurzer Distanz mit dem 24:22. Aber wieder schlug Flensburg postwendend zurück – 24:23, plus Zwei-Minuten-Strafe gegen Varels Jan Derk Janßen. Da waren noch 34 Sekunden auf der Uhr. Gegen eine offene Manndeckung versuchten die Friesen, den Vorsprung über die Zeit zu retten, doch eine fragwürdige Schrittfehler-Entscheidung gegen Libergs brachte die Gäste sechs Sekunden vor Ende in Überzahl tatsächlich noch einmal in Ballbesitz. Den möglichen Ausgleich und damit deftigen Rückschlag im Abstiegskampf vereitelte jedoch Bröckerhoff mit seiner Parade in der Schlusssekunde.

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport