Nicht täglich, aber doch fast von Woche zu Woche grüßt das Murmeltier bei der SG VTB/Altjührden: Die Reihe der Ausfälle von Spielern will in dieser verkorksten Drittliga-Saison, in der es angesichts des Mini-Kaders erneut um nichts anderes als den Klassenerhalt geht, einfach nicht abreißen. Standen Trainer Andrzej Staszewski, der sich wie seine Spieler schon länger wie in einem schlechten Film vorkommen dürfte, zuletzt beim immens wichtigen Heimsieg gegen Schlusslicht SV Beckdorf (32:19) immerhin acht, noch dazu gut aufgelegte Feldspieler zur Verfügung, sind es nun im dritten Abstiegs-Endspiel in Folge gegen einen direkten Kontrahenten gerade einmal noch sieben.

So kann Youngster Jan-Derk Janßen die lange Fahrt an die Havel zum Duell mit dem Tabellenvorletzten Grün Weiß Werder an diesem Sonnabend nicht mit antreten, weil er erst um 17 Uhr seine letzte Klausur schreibt. Der Anwurf in der Sporthalle des Ernst-Haeckel-Gymnasiums in der Nähe von Potsdam erfolgt aber bereits um 19 Uhr.

Da sich Etrit Xhafolli – wie berichtet – einen Bänderriss im Fuß zugezogen hat und sich Kreisläufer Fabian Hartwich Mitte Februar (ebenfalls wegen eines Bänderrisses) einer Schulter-OP unterziehen muss und damit bis zum Saisonende ausfällt, haben die Friesen am Samstagabend beim Aufsteiger noch einen einzigen Auswechsel-Feldspieler zur Verfügung. Zudem ist eine personelle Verstärkung zur Rückrunde weiterhin nicht in Sicht.

„Das alles macht einen manchmal sprachlos“, gibt Staszewski zu, der am Mittwochabend auch aus beruflichen und Studiengründen gerade einmal vier Spieler beim Training hatte: „Das ist natürlich vor solch einem wichtigen Spiel alles andere als optimal – aber wir werden auch am Sonnabend bei Werder wieder versuchen, das Beste aus dieser misslichen Situation zu machen.“

Noch mehr unter Druck steht allerdings der gegnerische Liganeuling von der Havel, der bei einer Niederlage bereits acht Punkte Rückstand auf das rettende Ufer hätte. „Sie stehen richtig mit dem Rücken zur Wand. Und wir wollen sie natürlich weiter auf Abstand halten“, betont Staszewski.

Im Hinspiel hatten sich die Altjührdener beim 24:21-Heimsieg jedoch lange schwer getan und waren erst ganz am Ende nach dem 20:20-Zwischenstand auf die Siegerstraße eingebogen. „Im Angriff hatten wir große Schwierigkeiten, weil wir oft viel zu früh abgeschlossen haben“, erinnert sich der SG-Coach und erwartet auch diesmal einen „ganz unangenehmen Gegner“. Denn die Brandenburger werden es den Friesländern auch im Rückspiel mit ihrer wuseligen Deckungsarbeit sehr schwer machen.

So rechnet Staszewski auch am Sonnabend mit einem ständigen Wechsel der Abwehrformationen: „Von 6:0 über 5:1 oder 3:2:1 bis hin zu 5+1 oder gar 4+2 müssen wir uns praktisch auf alles einstellen.“

Und noch haben die Spieler von Werder-Trainer Silvio Krause die Hoffnung auf den Klassenerhalt trotz erst eines einzigen Saisonsieges und insgesamt fünf magerer Pluspunkte nicht aufgegeben. „So lange wir rein rechnerisch nicht abgestiegen sind, glauben wir an den Verbleib in der Liga“, betont Robin Huntz, Werders torgefährlichster Rückraumspieler, dessen Wechsel zur neuen Saison zum Ligarivalen VfL Potsdam bereits feststeht.

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport