Die Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt lebt: Am Samstagabend haben sich die Drittliga-Handballer der SG VTB/Altjührden verdient mit 28:23 (13:11) gegen SV Anhalt Bernburg durchgesetzt. Während „Oh wie ist das schön“ aus den Lautsprechern der Manfred-Schmidt-Sporthalle dröhnte, feierte die SG-Mannschaft unter lang anhaltendem Beifall ihrer Fans, die sie in den 60 Spielminuten zuvor prächtig unterstützt hatten, den eminent wichtigen Heimsieg ausgelassen im Hüpfkreis

Matchwinner für die Friesen waren vor 554 Zuschauern der bärenstarke Marek Mikeci (8) in der Offensive sowie der Mitte der zweiten Halbzeit zwischen die Pfosten zurückgekehrte Björn Bröckerhoff, der seinen Kasten danach mit diversen Paraden zehn Minuten lang komplett verriegelte und damit die Weichen in einer von zwei starken Abwehrreihen dominierten Partie auf Erfolg stellte.

„Dieser Sieg war Gold wert“, brachte es Brökerhoff direkt nach Spielschluss auf den Punkt: „Der Druck war vor der Partie enorm groß, denn zu Hause durfte nichts schiefgehen. Zum Glück haben unsere Hände nicht angefangen zu zittern. Und mit diesem tollen Publikum im Rücken werden wir am Ende auch auf jeden Fall in der Liga drinbleiben.“

Großes Kämpferherz

Routinier Martins Libergs, der trotz seiner bereits 37 Jahre mit seinem großen Kämpferherz nicht nur in der Abwehr neben dem unermüdlich rackernden Helge Janßen Schwerstarbeit verrichtet, sondern auch im Angriff Verantwortung übernommen hatte, stieß ins gleiche Horn: „Wir mussten alles auf eine Karte setzen und haben die Nerven behalten. Bis zum erhofften Klassenerhalt ist es aber noch ein langer Weg. Wir müssen weiter alles geben.“

Erhöht wurde die Freude bei der Mannschaft von SG-Trainer Andrzej Staszewski, dessen taktische Maßnahmen vor allem im zweiten Durchgang fruchteten, durch die Kunde von den Niederlagen der Abstiegsrivalen Magdeburg II (31:37 gegen HSG Nord HU) und Fredenbeck (26:29 gegen Flensburg-Handewitt II). Fünf Spieltage vor dem Saisonende haben es die Vareler damit weiterhin in eigenen Händen, den wichtigen 13. Tabellenplatz zu verteidigen, der am Saisonende noch den sicheren Klassenerhalt bedeuten würde.

Den Umweg über die vorsorglich ausgespielte Abstiegsrelegation der vier Tabellen-14. aus den Drittliga-Staffeln Nord, Süd, West und Ost wollen sich die Friesländer unbedingt ersparen – zumal noch gar nicht sicher ist, ob der Sieger dieser Relegation überhaupt den Klassenerhalt schafft. Dieser Fall tritt nur ein, wenn ein Oberligist nicht aufsteigen will oder sich ein sportlich qualifizierter Drittligist zurückzieht.

Gegen Bernburg waren die Vareler nach dem 3:3 (6.) zunächst mit 3:5 (9.) und 6:9 (18.) in Rückstand geraten. Immer wieder fanden die Gäste aus Sachsen-Anhalt Lücken in der SG-Abwehr über Außen, den Kreis oder die beiden wurfstarken Rückraumspieler Steffen Cieszynski und Gabor Pulay, während sich die Vareler im Angriff noch einige Fehlwürfe leisteten.

Ein Hallo-Wach-Erlebnis war der Heber von Kreisläufer Helge Janßen nach einem No-Look-Anspiel von Mikeci zum 8:9 (20.). Für den 13:11-Pausenstand sorgte der agile Youngster Jan Derk Janßen, der auf Rückraum Mitte zu gefallen wusste.

Während Oliver Staszewski auch nach der Pause im Angriff keine Durchschlagskraft entwickeln konnte und es gegen den guten SV-Keeper Max Folchert zu oft flach versuchte, sprang Mikeci in die Bresche und überwand damit sein vorheriges kleines Formtief. „Wir haben taktisch vieles gegen die starke Defensive der Bernburger richtig gemacht, kaum Hektik aufkommen lassen und selten dumme Abschlüsse gesucht“, bilanzierte der Slowake zufrieden.

Wurfpech mit Folgen

Dennoch wurde es nach dem 20:16 (42.) von Max Wiedenmann, der auf Linksaußen ebenfalls ein starkes Spiel machte, noch einmal eng. Das Wurfpech der Hausherren, die zweimal in Folge nur Aluminium trafen, nutzte Bernburg zum 20:20 (45.). Doch dann kassierten die Gäste zwei überflüssige Zeitstrafen direkt hintereinander. Die SG-Abwehr packte noch beherzter zu, der eingewechselte Bröckerhoff ließ bis zur 55. Minute keinen Gegentreffer mehr zu – und prompt zogen die Vareler wieder auf 24:20 (53.) und 26:21 (58.) davon. Den Schlusspunkt setzte der junge Etrit Xhafolli zum 28:23.

Nachdem sich die Vareler den verdienten Applaus von ihren Anhängern abgeholt hatten, blickte SG-Kapitän Helge Janßen schon wieder nach vorn: „Das war im Abstiegskampf ein wichtiger erster Schritt – jetzt müssen noch weitere folgen.“

Andrzej Staszewski (SG-Trainer): Marek Mikeci hat gegen Bernburg sein vielleicht bestes Spiel in dieser Saison gemacht und sehr gut getroffen. Helge Janßen und Martins Libergs haben hinten die Abwehr super organisiert. Dass wir nur 23 Gegentreffer kassiert haben, ist auch ein Verdienst von Björn Bröckerhoff, der ganz wichtige Bälle gehalten hat und unser Matchwinner war. Ein großes Kompliment geht aber an das ganze Team.

Armands Uscins (SV-Trainer): Wir wussten, was uns in Altjührden gegen einen Gegner, der mitten drin im Abstiegskampf steckt, erwarten würde. Leider haben sich meine Spieler nach dem 20:20 zu oft mit den Schiedsrichter-Entscheidungen beschäftigt und diskutiert, statt sich weiter auf das Spiel zu konzentrieren.

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport