Nächster schmerzhafter Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt: Da haben sich die Drittliga-Handballer der SG VTB/Altjührden nach der 21:29-Derbypleite gegen den OHV Aurich eine Woche lang im Training akribisch, wenn auch unter gewohnt schwierigen Bedingungen mit nur wenig einsatzfähigem Personal auf den nächsten Gegner vorbereitet und eine beschwerliche, viereinhalbstündige Anreise nach Brandenburg auf sich genommen, nur um dann bereits nach wenigen Spielminuten frustriert feststellen zu müssen: Hier geht heute im Angriff gar nichts!

Hatten die stark abstiegsgefährdeten Vareler das Hinspiel gegen den Oranienburger HC noch überraschend mit 22:19 gewonnen, standen sie am Samstagabend im Rückspiel gegen den Tabellenvierten bei der haushohen 16:28 (5:16)-Niederlage auf völlig verlorenem Posten, weil im Abschluss einfach nichts gelingen wollte. So erzielten die Gäste vor 855 Zuschauern in der MBS-Arena ihren ersten Treffer erst nach sage und schreibe 17 Minuten durch Marek Mikeci beim bereits aussichtslosen Zwischenstand von 10:0 für die Oranienburger. Gerade einmal fünf Treffer brachten die Gäste, die insgesamt zudem vier Siebenmeter verwarfen, vor der Pause zustande.

„Der Zug war leider schon ganz früh abgefahren“, zeigte sich SG-Coach Andrzej Staszewski enttäuscht, zumal er bei einigen seiner Spieler „das nötige Feuer und die Konzentration bei den Würfen vermisst“ hatte: „Man hatte das Gefühl, die Jungs waren in den ersten 20 Minuten noch im Bus.“ Auch zwei frühe Team-Auszeiten der Gäste vermochten nicht zu helfen, um Ruhe ins hektische SG-Angriffsspiel zu bringen.

Dabei hatten sich die Vareler auch in der Anfangsphase durchaus schon gute Wurfpositionen herausgespielt. Doch warfen sie den noch dazu bestens aufgelegten OHC-Torhüter Simon Herold zum Weltmeister. Eine Wurfeffektivität von gerade einmal 30 Prozent spricht Bände.

„So kannst Du kein Spiel gewinnen“, sagte Staszewski und verwies auf allein 14 Fehlversuche in der Anfangsviertelstunde, zum Teil aus besten Positionen: „Ich hoffe, dass in den Köpfen aller Spieler nun eine riesige Alarmglocke geschrillt hat – so darf es im Abstiegskampf nicht weitergehen!“

Dabei hatte die Abwehr nach der Umstellung von einer 6:0- auf eine 5:1-Formation, wodurch man im Rückraum-Linken David Sauß den torgefährlichsten OHC-Angreifer besser in den Griff bekam, durchaus gut gestanden. Zudem kam der nach dem 0:8 eingewechselte und reaktionsschnelle SG-Torhüter Levin Stasch am Ende nicht nur auf eine starke Bilanz von 14 Paraden, sondern erzielte auch einen Treffer ins leere gegnerische Gehäuse (43.). Somit konnten die Vareler, bei denen sich Martins Libergs und Jan Derk Janßen mit Rückenproblemen herumplagten, nach dem Seitenwechsel immerhin ein noch größeres Debakel verhindern.

Fakt ist jedoch: Der SG-Angriff muss sich in den nächsten Spielen wieder gewaltig steigern. Am kommenden Sonnabend geht es zum Tabellenzweiten HSG Nord Henstedt-Ulzburg, dann folgt am 11. März das vielleicht schon alles entscheidende Abstiegsendspiel gegen den MTV Braunschweig, den man bei einem Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied im direkten Vergleich hinter sich lassen würde. Den direkten Vergleich, der am Saisonende bei Punktgleichheit zum Tragen käme, gegen den ebenfalls abstiegsgefährdeten SC Magdburg II haben die Vareler indes bereits verloren.

„Natürlich hat sich die Mannschaft diese kalte Dusche in Oranienburg mit ihrer Abschlussschwäche selbst eingebrockt, und natürlich sind wir alle enttäuscht“, betonte Staszewski abschließend: „Aber ich muss die Spieler angesichts der Dauerbelastung auch in Schutz nehmen.“ Man werde weiterhin alles versuchen, um die Klasse am Saisonende zu halten.

Quelle NWZ: Henning Busch  www.nwzonline.de/friesland/lokalsport