Presseschau
WHV bestimmte den Takt und das Tempo
Handball-Zweitligist WHV gewann das Derby in der EWE-Arena gegen HSG Varel verdient mit 28:22 (15:14). 1542 Zuschauer sahen eine teilweise hektische Partie.
Wer am Sonnabend in der EWE-Arena etwas über das Handball-Zweitliga-Derby zwischen der HSG Varel und dem Wilhelmshavener HV hätte wissen wollen, dem hätte im Prinzip eine Szene aus der 58. Minute gereicht.
WHV-Kreisläufer Lasse Arvidsson hatte da eine von am Ende insgesamt 16 Zeitstrafen kassiert. Und was tat der Schwede? Schlich vom Platz - traurig wie dereinst im März 2009, als der WHV in Oldenburg 25:27 verlor? Haderte mit der Entscheidung? Völlig falsch: Jubelnd fuhren die Arme in die Höhe, lachend verließ er das Feld, bereit für die finale Party nach dem 28:22 (15:14)-Sieg, der tabellarisch keine Konsequenzen hatte (Platz 13), aber Balsam für die geschundene Derbyseele des WHV war, der in der Vergangenheit bei diesen knisternden Duellen immer und immer wieder geführt hatte, am Ende aber den Friesländern beim Jubeln zuschauen musste. Diesmal blieben keine Fragen offen, kein Szenario im Konjunktiv konnte für einen anderen Spielverlauf bemüht werden. Die bessere Mannschaft (WHV) mit dem besten Torschützen (Tobias Schröder/7) und dem herausragenden Torhüter (Holger Eilts/13 Paraden) setzte sich vor 1542 Zuschauern durch. So einfach war das am Sonnabend. Wobei der Begriff Mannschaft durchaus wörtlich zu nehmen war. 13 Spieler tauchten auf dem Spielberichtsbogen auf, alle 13 Akteure wurden eingesetzt. Ein Schachzug von WHV-Trainer Klaus- Dieter Petersen, der mitten ins HSG-Herz traf. Denn die Gäste konnten so das Tempo hochhalten und auf 11:5 enteilen.
Nach 20 Minuten standen beim WHV mit Rene Drechsler (selbstbewusst) und Christian Köhrmann (gewohnt kampfstark und vorwegmarschierend) nur noch zwei Feldspieler aus der Startformation auf der Platte. Der Rest rackerte trotz permanenter Personal- und Positionswechsel verbissen, konnte sich nach einer Schwächephase durch drei Treffer in Folge (Waschul, Hesslein, Köhrmann) wieder auf 15:11 (28.) absetzen, den Kollegen eine Verschnaufpause verschaffen und zumindest einen Minimalvorsprung in die Kabine retten (15:14).
Die Entscheidung fiel im Prinzip direkt nach dem Wechsel. Erst entschärfte Holger Eilts einen Wurf des fünffachen HSG-Torschützen Vaidas Dilkas, dann traf Evgeny Vorsontsov in Unterzahl zum 16:14, die HSG-Hilflosigkeit im Angriff dokumentierte sich in einem Zeitspiel, auf der Gegenseite traf WHV-Kapitän Christian Köhrmann (17:14) und Holger Eilts schnappte sich einen Wurf von HSG-Kreisläufer Helge Janssen.
Damit war das dokumentiert, was auch die Restspielzeit bestimmte. Der WHV bestimmte Tempo und Takt und entschied zwischen der 45. Minute (19:17) und 52. Minute (23:17) das Spiel. Den Friesländern fehlten Kraft und Sicherheit, um der Partie noch eine Wende zu geben. Dabei konnte dem Betrachter HSG-Trainer Peter Kalafut ("Ein Spiel mit so vielen Fehlern brauche ich nicht zu analysieren") fast schon leid tun. Auch der Slowake versuchte alles: Wechselte die Torhüter, schickte seine durch eine Grippe geschwächten Korsettstangen Jan-Philip Willgerodt (nur ein Feldtor des besten HSG-Torschützen) und Regisseur Niels Bötel (wirkungslos) zu Atempausen auf die Bank, doch am Ende blieb nur ein wiederholtes, resignatives Schulterzucken.
Der WHV hatte da schon lange den Partymodus eingeschaltet. Tobias Hesslein durfte noch einmal ran, Lasse Arvidsson feierte seine Zwei- Minuten-Strafe und die WHV-Fans präsentierten ihre T-Shirt-Sonderedition: Derbysieg 6. Februar 2010.
Ach ja: Ein richtiges Derby war es natürlich auch: 32 Minuten lang saßen Akteure auf der "Strafbank", viermal zückten die Unparteiischen "Rot", einige Köpfe standen dicht beieinander und auch die eine oder andere Rudelbildung ward zu beobachten. Aber das war kein Problem. Christian Köhrmann: "Außerhalb des Spielfeldes verstehen wir uns wunderbar."
Quelle: wzonline.de
Wilhelmshavener Derbysieg auf fast neutralem Boden
„Es ist mehr als nur ein normales Punktspiel“, hatte Peter Kalafut, Trainer des Handball-Zweitligisten HSG Varel, vor dem Derby gegen den Wilhelmshavener HV angekündigt. 60 intensive Minuten und vier Rote Karten am Sonnabend in der Oldenburger EWE-Arena sollten diese Einschätzung bestätigen. Mit 28:22 setzte sich der WHV nach zuletzt drei Niederlagen erstmals wieder gegen den Rivalen aus Friesland durch. Und wer die Reaktionen der Beteiligten nach dem Abpfiff erlebte, konnte erahnen, wie groß die Bedeutung dessen war. Während Kalafut seine tief enttäuschten Schützlinge direkt für eine Ansprache in der Hallenmitte versammelte, stürmten die Spieler des WHV wie entfesselt auf ihre mitgereisten Fans zu und ließen sich feiern. Es ist lange her, dass ein Spiel solche Gefühlsausbrüche bei ihnen freigesetzt hatte. Dass die Wilhelmshavener an diesem Abend gewinnen würden, hatte sich schon früh abgezeichnet. Zu ideenlos waren die Vareler gegen eine kompakte und bewegliche 6:0-Deckung des WHV um einen glänzend aufgelegten Schluss-mann Holger Eilts. Zu kraftlos war der ansonsten so zuverlässige Rückraum um Jan-Philip Willgerodt und Tim Coors. Die Gäste gingen dadurch schnell mit 3:1 (7. Minute), 5:2 (10.) und sogar 8:4 (16.) in Führung. Auch die dann folgende Auszeit des HSG-Trainers vermochte diese Entwicklung zunächst nicht zu stoppen. Der WHV eilte bis auf 11:5 (18.) davon. Dann aber kam der selbstverschuldete Bruch. Bedingt durch immer neue Wechsel verloren die Wilhelmshavener ihren Rhythmus. Die Vareler dagegen, bei denen Andre Seefeld ab der 16. Minute den bis dahin glücklosen Christoph Dannigkeit im Tor ablöste, nahmen erst jetzt das Tempo auf. Mit einem Doppelpack leitete Ralf Koring einen Zwischenspurt der HSG ein, der sie bis zur Halbzeitpause wieder auf 14:15 verkürzen ließ. Auch dank dreier starker Paraden von Holger Eilts gelang es dem WHV nach dem Seitenwechsel zunächst wieder, sich etwas Luft zu verschaffen (14:17, 34.). Zwei Siebenmetertore von Willgerodt zum 16:17 hielten die Vareler aber erneut im Rennen. Kurz nach seinem Treffer zum 16:18 (42.) beendete Rene Drechsler dann vorzeitig seinen Arbeitstag im Trikot der Jadestädter. Seine dritte Zeitstrafe war der Auftakt zu einer Reihe kleinerer Scharmützel auf dem Feld, die letztlich da-rin mündeten, dass neben Drechsler auch Martin Waschul und Christian Köhrmann auf Seiten den WHV sowie der Vareler Ralf Koring die Rote Karte wegen unsportlichen Verhaltens sahen. Waschul hatte sich übermotiviert dazu hinreißen lassen, den am Boden liegenden HSG-Spielmacher Niels Bötel zu treten (43.). Die Routiniers Koring und Köhrmann waren in den Schlussminuten aneinandergeraten (59.). Zu diesem Zeitpunkt war die Partie bereits lange entschieden. Die Grundlage dafür hatten die Wilhelmshavener zwischen der 40. und 50. Minute geschaffen. Über die Stationen 16:19 (43.) und 17:21 (49.) warfen sie sich bis zum 17:23 (53.) einen Sechs-Tore-Vorsprung heraus, den sie bis zum Abpfiff nicht mehr hergaben. Sinnbild einer von beiden Mannschaften äußerst emotional geführten Begegnung waren die Schlusssekunden: Kurz bevor das Schiedsrichterduo Berning/Thiemann das Derby beendete, standen gerade einmal fünf Vareler Feldspieler auf der einen und drei Wilhelmshavener auf der anderen Seite. Üblich sind Sechs gegen Sechs.
Quelle: Jeversches Wochenblatt
Spiel mit ganz harten Bandagen
„Rote Karten“ sind im Handball eher selten zu sehen. Gleich vier Disqualifikationen sprachen die Schiedsrichter im Verlauf der Zweitliga-Partie zwischen der HSG Varel und dem Wilhelmshavener HV in der Oldenburger EWE-Arena aus. Es ging schon zur Sache in dem Derby, das die Mannschaft von HSG-Trainer Peter Kalafut nach einer schwachen Vorstellung mit 22:28 verlor. Die Akteure beider Mannschaften kämpfen mit harten Bandagen und schenkten sich nichts.
Vor rund 1800 Zuschauer mussten die Schiedsrichter Schwerstarbeit verrichten. Nicht immer fällten sie richtige Entscheidungen. Das sah auch Peter Kalafut so: „Die Unparteiischen hatten die Partie nicht im Griff.“ Varels Pressesprecher Christoph Deters sprach in diesem Zusammenhang von einer „Überforderung“.
Überfordert waren allerdings auch die Friesländer, die praktisch chancenlos waren gegen einen Gegner, der von Beginn an in Abwehr und Angriff die Akzente setzte. „Wir haben zu keiner Zeit der Begegnung unser Linie gefunden“, schilderte Varels Torwarttrainer Jens Kanzog seine Eindrücke. Der ehemalige Vareler Evgeny Vorontsov zählte mit seinen vier Toren beim Wilhelmshavener HV zu den Aktivposten: „Wir haben Druck gemacht und zu keiner Phase geschwächelt. Wir waren vom Kopf her stärker und wollten das Derby mit aller Gewalt gewinnen. Das ist uns dann ja auch eindrucksvoll gelungen.“
Daneben ging dagegen für die HSG Varel der Start nach der langen Winterpause. „Es wird die Mannschaft gewinnen, die schnell ihren Rhythmus findet“, hatte sich Kalafut vor dem Duell geäußert.“ Den Friesländern fehlte die innere Einstellung, die erforderlich ist, solch ein Duell erfolgreich zu beenden. Das war im Hinspiel völlig anders. Doch von der Form waren die Zweitliga-Handballer der HSG am Sonnabend in der Oldenburger EWE-Arena weit entfernt.
Quelle: nwzonline.de
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