Trotz einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung haben sich die Handballer von Oberliga Spitzenreiter SG VTB/Altjührden mit sehr viel Glück gegen den TuS Rotenburg noch einen Punkt gesichert. In der letzten Aktion des Spiels traf Oliver Staszewski per Siebenmeter zum 24:24 Endstand. Vorausgegangen war Sekunden vor dem Abpfiff ein Foulspiel von Rotenburgs Michel Misere, das die unauffällig pfeifenden Schiedsrichter Horst-Uwe Dettloffund Markus Grow nach der neusten Regelauslegung mit der Roten Karte und Siebenmeter für die SG bestraften. Rotenburg legte anschließend Protest ein. Trotz des Punktverlustes baute das Team von SG-Spielertrainer Ivo Warnecke seine Tabellenführung aus, da zeitgleich der Tabellen zweite HSG Barnstorf/Diepholzeine 26:28 Niederlage beim TV Neerstedt kassierte. Die Vareler Fans unter den 429 Zuschauern in der Manfred-Schmidt-Sporthalle erlebten am Samstagabend ein Wechselbad der Gefühle. 45 Minuten lang enttäuschten die Gastgeber auf ganzer Linie. Hypernervös gelang ihnen zunächst so gut wie nichts. „Wir hatten uns schon gut vorbereitet, doch bei der Umsetzung des Wissens haperte es“, sagte Warnecke. Alle Mannschaftsteile hatten mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Angefangen bei den beiden Torhütern, die so gut wie keinen Ball anfassten, über die löchrige Abwehr und den holprigen Spielaufbau bis hin zur desolaten Offensive, die nur durch Einzelaktionen erfolgreich war. So lag die SG bereits nach 17 Minuten mit 5:10 Toren hinten. Rotenburg präsentierte sich dabei gar nicht als Übermannschaft, sondern war einfach entschlossener im Abschluss und hatte in Yannick Kelm den an diesem Tag klar besseren Torhüter in seinen Reihen. Als schließlich beim Spielstand von 7:12 aus Vareler Sicht die Seiten gewechselt wurden, setzten nur die wenigsten SG Fans auf ihr Team – und das mit Recht. Denn nach Wiederanpfiff wurde das Spiel der Gastgeber nicht besser.Gleich in der ersten Aktion hämmerte Kevin Langer die Kugel an das Quergebälk des Rotenburger Tores, beim Gegenangriff flutschte Varels Keeper Levin Stasch der durchaus haltbare Ball durch die Finger. Die Gäste schraubten ihren Vorsprung danach auf 18:11 hoch (40.). Warnecke hatte genug gesehen, nahm eine Auszeitund wechselte sich ein.Mit einer nun offensiveren 5:1-Deckung versuchten die Vareler, das Angriffsspiel der Gäste zu stören – zunächst aber ohne sichtbaren Erfolg. Ein Ruck ging durch die Mannschaft, als der sonst sichere Schütze Jan-Uwe Behrends mit einem Siebenmeter am eingewechselten TuS Keeper Denis Jäger scheiterte (47.). Angefeuert durch Warnecke setzten die Friesländer zu einer kaum noch für möglich gehaltenen Aufholjagd an.Selbst inUnterzahl (Patryk Abram, 55.)  ließen sich die Gastgeber nicht mehr stoppen und holten Tor um Tor auf. „Varel hat in dieser Zeit mit einer Top-Leistung nach vorn gespielt“, so TuS-Trainer
Nils-Oliver Muche. Am Ende hatte die SG dann das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. „Ich bin sehr enttäuscht über unsere Leistung. Wir müssen an unserer Einstellung arbeiten. Positiv ist, dass wir Moral bewiesen haben. Keiner hat mehr an uns geglaubt, wir aber doch noch. Das ist das Wichtigste,was wir mitnehmen – natürlich auch noch den Punkt“, resümierte Warnecke,der von Muche anschließend gelobt wurde. „Ihr habt einen Trainer,der mit Vollgas reingeht. Das war schon stark. Einen solchen Spieler haben wir nicht“, betonte Rotenburgs Coach, ohne dabei aber die starke Leistung seiner Mannschaft zu vergessen: „Ich bin stolz auf mein Team. Wir haben fast 50 Minuten das Spiel mit einem guten Torwart gemacht. Ein, zwei Kleinigkeiten haben dann das Spiel gekippt. Ich hätte gerne gewonnen. Die Leistung für einen Aufsteiger war schon sensationell.“

Quelle NWZ: FRIEDHEL MMÜLLER-DÜRING: www.nwzonline.de/friesland/lokalsport