Beim Neuaufbau nach dem Drittliga-Abstieg wollen der Sportliche Leiter der SG und seine Mitstreiter Lehren aus alten Fehlern ziehen. Noch immer ist Andre Seefeldt zudem auf Spielersuche.

Frage: In knapp sechs Wochen beginnt die neue Saison, noch immer ist der Oberliga-Kader nicht komplett. Wie geht es bei der Suche nach einem Torwart und zwei Rückraumspielern voran?

Andre Seefeldt (39): Natürlich hören wir uns weiter um. Wir haben bislang keinen Schnellschuss gemacht und werden es weiterhin nicht tun – auch wenn wir bei der Suche sehr spät dran sind, und viele Spieler aus der Umgebung schon bei anderen Vereinen im Wort stehen. Wir mussten, als der Abstieg besiegelt war, praktisch bei Null anfangen und können finanziell keine großen Schritte machen. Wir sind mit Torhütern im Gespräch und hoffen, dass wir bald Vollzug melden können. In Sachen Rückraum schauen wir uns aktuell vorsichtig um. Immerhin steht inzwischen ja fest, dass uns Martins Libergs erhalten bleibt und helfen wird – auch wenn er beruflich bedingt in der Saison nicht bei allen Spielen dabei sein wird. Zudem könnte Ivo Warnecke zumindest übergangsweise als Spielertrainer agieren.

Frage: Schmerzt der Abstieg aus der Dritten Liga noch immer? Oder war er nach Jahren des stetigen sportlichen Niedergangs in der Zweit- und schließlich Drittklassigkeit vielmehr sogar nötig, um den Weg für einen echten Neuanfang freizumachen?

Seefeldt: Das kann man vielleicht so sehen. Sicherlich war der Abstieg sehr, sehr bitter. Für uns wäre vieles leichter geworden, wenn wir die Klasse gehalten hätten – etwa mit Blick auf Sponsoren und den Spielerkader. Aber es ist schon richtig: Peu à peu ist es in Altjührden immer schwieriger geworden. Der Kader wurde ausgedünnt, es gab keine Zweite mehr. Auch im Umfeld nahmen die Probleme zu, etwa im Vareler Jugend-Handball. Erst durch den Abstieg in die Oberliga und den Rücktritt der alten Führungsriege ist ein Umbruch wirklich möglich geworden. Mit unserem neuen Kompetenzteam versuchen wir nun, aus alten Fehlern zu lernen und neu anzufangen.

Frage: Was soll im Vergleich zu den Vorjahren vor allem verbessert werden?

Seefeldt: Zunächst wollen wir die Heimspiele für die Zuschauer wieder zu einem Erlebnis machen. Wir haben viele neue Ideen, von denen sich aber natürlich nicht alle sofort umsetzen lassen. Wir planen aber einige Veränderungen und anfangs kleinere Aktionen, um den Event-Charakter aufzupolieren.

Frage: Wie sieht es im Sponsoren-Bereich aus?

Seefeldt: Wir vom neuen Kompetenzteam sind auf der Suche nach neuen Unterstützern. Zudem wollen wir uns insgesamt mehr um unsere Sponsoren kümmern. Diese sollen nicht nur als Geldgeber, sondern nunmehr als Partner dastehen und auch eigene Ideen einbringen können. Wie in der Vergangenheit können sie uns zudem bei der Suche nach Arbeitsplätzen für Spieler unterstützen.

Frage: In Varel ist im Jugend-Handball in den vergangenen Jahren viel zu Bruch gegangen, ehe 2016 die JHSG Varel gegründet wurde. Wird es mit dem neuen SG-Führungsteam nun wieder ein Zugehen auf die engagierten Verantwortlichen der JHSG geben?

Seefeldt: Überhaupt soll das Miteinander bei der SG nun oberste Priorität haben. Es stehen jetzt nicht mehr nur zwei, drei Leute vorne. Sondern wir wollen versuchen, fortan alle mitzunehmen. Sicherlich werden wir vor diesem Hintergrund auch Kontakt zu den JHSG-Verantwortlichen aufnehmen. Keine Frage, der Breitensportgedanke ist enorm wichtig. Aber eine zweite wichtige Säule ist der leistungsorientierte Handball. Somit sollte die Jugendarbeit auch in Varel auf zwei Säulen gestellt werden. Dazu werden lange Gespräche vonnöten sein, denn es gilt zunächst, viel Porzellan aus den Vorjahren zusammenzufegen.

Frage: Bei der SG VTB/Altjührden soll es in drei Jahren möglichst wieder zurück in die Dritte Liga gehen. Wie lautet das Ziel für die kommende Saison in der Oberliga?

Seefeldt: Wir haben kein konkretes Ziel bezüglich der Platzierung. Sicherlich wollen wir so viele Spiele wie möglich gewinnen. Aber in dieser Spielzeit müssen wir erst einmal die neue Liga kennenlernen. Zudem haben wir diverse neue Spieler im Kader. Wir stehen eindeutig vor einem Übergangsjahr und haben eventuell nicht einmal 14 einsatzfähige Spieler beisammen. Dennoch wollen wir uns in der Oberliga etablieren und haben dann vor der nachfolgenden Saison 2018/2019 deutlich mehr Zeit, einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen.

Frage: Was traut der Sportliche Leiter dem neuen Coach Ivo Warnecke in dessen erster Saison überhaupt als verantwortlicher Trainer zu?

Seefeldt: Wir versprechen uns eine Menge von Ivo. Er hat in seiner aktiven Zeit beim Wilhelmshavener HV viel von Christian Köhrmann gelernt und ist, wie auf dem Spielfeld, auch als Trainer sehr ehrgeizig und engagiert. Wir haben uns – auch mit Blick auf neue Methoden – bewusst für einen jungen Trainer entschieden, nachdem jahrelang erfahrenere Coaches in Altjührden an der Seitenlinie gestanden haben. Das Training von Ivo kommt bei unseren Jungs gut an. Das Team, dessen Sprache er spricht, hat Spaß. Wir trauen es ihm absolut zu, aus vielen Einzelspielern eine neue Einheit zu formen.

 

Quelle NWZ: Henning Busch : www.nwzonline.de/friesland/lokalsport