Auch die Hilfe der Routiniers Niels Bötel und Andre Seefeldt konnten die Niederlagen nicht verhindern. Drei Spieler verlassen sicher die SG.

Das war es endgültig: Nach 40 Jahren in der zweit- oder dritthöchsten Spielklasse müssen die Handballer der SG VTB/Altjührden den bitteren Gang in die Oberliga antreten. In der Abstiegsrelegation der Tabellen-14. der vier Drittliga-Staffeln sind die Friesen am Wochenende in zwei Spielen komplett leer ausgegangen und damit in die Oberliga abgerutscht. Ab sofort heißen die Gegner nicht mehr HSV Hamburg, TSV Altenholz, VfL Fredenbeck oder OHV Aurich, sondern TV Cloppenburg, TV Neerstedt, Elsflether TB oder der alte Rivale VfL Edewecht.

„Der Abstiegskampf wurde nicht am Relegations-Wochenende verloren, sondern früher“, betonte ein niedergeschlagener SG-Coach Andrzej Staszewski: „Man darf nicht vergessen, mit welchem Kader wir spielen mussten – daher nehme ich das Team voll in Schutz. Es hat alles versucht!“

Umso größer war der Schock für die Vareler Mannschaft und rund 60 mitgereiste SG-Fans, die ihr Team im restlos ausverkauften Volmetaler Hexenkessel lautstark unterstützten, nach der 26:28 (15:13)-Auftaktpleite am Samstagabend beim Relegations-Gastgeber. Schließlich waren die Chancen auf den Klassenerhalt damit bereits auf ein absolutes Minimum gesunken.

Um zumindest die theoretische Chance zu wahren und auf den nachträglichen Verzicht von bzw. den Lizenzentzug für zwei sportlich qualifizierte Teams in der Dritten Liga zu hoffen, hätten die Vareler unbedingt das Spiel um Platz drei am Sonntagmittag gegen SG LVB Leipzig gewinnen müssen. Doch auch die Partie gegen den Vertreter aus der Ost-Staffel vor der Geisterkulisse von 50 Zuschauern ging verloren – 31:36 (15:17).

Die Leipziger waren am Samstag im ersten Relegations-Halbfinale hauchdünn mit 25:26 (12:12) der SG Pforzheim/Eutingen aus der Süd-Staffel unterlegen. Über den Turniersieg in der Relegation und den damit verbundenen nachträglichen Klassenerhalt freute sich indes West-Vertreter TuS Volmetal, der sich Sonntag früh im Endspiel um den Ligaverbleib 25:23 (11:7) gegen Pforzheim/Eutingen durchsetzen konnte.

Rückblick: Die Vareler hatten gegen die frenetisch angefeuerten Volmetaler im Halbfinale bis Mitte der zweiten Hälfte eine gute Leistung abgeliefert. Mit dem überraschend reaktivierten Regisseur Niels Bötel (zuletzt Trainer in Edewecht), der sich trotz lediglich zweier gemeinsamer Trainingseinheiten mit den SG-Spielern, überraschend gut in das Angriffsspiel einfügte, führten die Friesen zur Pause mit 15:13. Per Siebenmeter erhöhte Marek Mikeci nach Wiederbeginn sogar auf 20:16 (38.).

Dann jedoch warfen die Vareler insbesondere von Außen zu viele Fahrkarten. Selbst der in der zweiten Hälfte ins Tor gewechselte Routinier Andre Seefeldt konnte die Niederlage nicht mehr verhindern. Bester SG-Torschütze war Oliver Staszewski (7).

Auch am Sonntag hatten sich die Altjührdener in der ersten Hälfte eine Führung erkämpft (9:7/15.). Danach jedoch übernahmen die Leipziger angeführt von David Heinig (12) das Zepter, wobei sich die Mannschaft um Varels Kapitän Helge Janßen, die angeschlagenen Bötel (Hand) und Oliver Staszewski (Rücken) bis zehn Minuten vor Schluss (26:28) nie abschütteln ließ. Als der Gegner aus Sachsen aber auf fünf Tore enteilte (31:26), war der Widerstand der Vareler gebrochen. „Die Batterien meiner Spieler waren einfach leer“, bilanzierte Staszewski, der zudem auf Torhüter Björn Bröckerhoff (Fußverletzung wieder aufgebrochen) verzichten musste.

„Gott sein Dank ist diese Saison jetzt endlich zu Ende – leider mit einer riesigen Enttäuschung“, brachte Andrzej Staszewski die Stimmung beim SG-Tross auf den Punkt. Wie es bei den Altjührdenern weitergeht, ob in der Oberliga der direkte Wiederaufstieg in Angriff genommen werden kann, vermochte der Coach, der die Friesen seit fünf anstrengenden Spielzeiten betreut, nicht zu sagen.

Sicher ist, Jan Derk Janßen und Max Wiedenmann werden der SG studienbedingt ebenso nicht mehr zur Verfügung stehen wie Torwart Bröckerhoff berufsbedingt. Ob Marek Mikeci gehalten werden kann, ist ebenso offen wie andere Personalien. Derweil wollen die Routiniers Helge Janßen, Oliver Staszewski und Martins Libergs der SG wie andere Spieler treu bleiben.

„Ich habe noch einen Vertrag bis Juni – alles weitere werden wir sehen“, ließ Trainer Staszewski seine eigene Zukunft bei der SG offen.

Quelle NWZ: Henning Busch: www.nwzonline.de/friesland/lokalsport